Raron - Rilkedorf



Seit dem 11. Jhd. ist «Raronia» bekannt, seine imposante Geschichte indessen reicht in die Steinzeit zurück. Heidnischbiel und Burghügel gehören dabei zu den Siedlungsorten der Urzeit. Im Mittelalter, der Zeit der Bischöfe und Klöster, der Ritter und Burgen trat Raron ins helle Licht der Geschichte. Die Freiherren von Raron gehörten zwischen dem 12. und 15. Jhd. zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern des Wallis. Die Pfarrei des Hl. Roman bestand 1212 bereits. Die erste Pfarrkirche war unten im Dorf und erst nach deren Zerstörung übernahm die Burgkirche diese Rolle (16. Jhd.)

In der Neuzeit plante man wegen des beschwerlichen Kirchweges eine neue Kirche in der Talebene. Diese durfte aber die Burgkirche vom Dorfbild her nicht stören. Deshalb wurden 1974 am Fusse des Burghügels 6000 m3 Fels ausgebrochen und in dieser Kaverne ein Kirchenraum gestaltet.

Mit 500 Sitzplätzen ist die Michaelskirche zur Zeit das grösste Gotteshaus Europas, das sich vollumfänglich im Felsinneren befindet.

Neben der Burganlage mit der Kirche, dem Wohnturm und dem alten Pfarrhaus besitzt die Gemeinde Raron/St. German entlang des Kulturweges noch zahlreiche historisch wertvolle Bauten, die in dieser Schrift aus Platzgründen nicht erwähnt sind. Zwei dieser imposanten mittelalterlichen Herrschaftshäuser seien aber exemplarisch ins Licht gerückt. Das Maxenhaus einerseits (Bild unten links), das mit seinen Kolonnaden an die Bauweise des Burgener-Hauses in Visp erinnert, wurde 1547/48 von Stephan Maxen, Landvogt von Evian erbaut. Vor 1813, als das Wallis noch zu Frankreich gehörte, war dieses Haus auch Poststelle. Der sogenannt «älteste Briefkasten der Schweiz» erinnert an diese Epoche.


Die Burg, das Wahrzeichen von Raron, wurde im 11./12. Jhd. als Fluchtburg für die Bevölkerung erbaut. Ab dem 12. Jhd. wurde sie zum Sitz bischöfl icher Verwalter. 1494 beschädigte der Bietschbach die Kirche «auf dem Biel» unten im Dorf so verheerend, dass Ulrich Ruffi ner 1505 der Auftrag erteilt wurde, die Burg zur Kirche umzubauen. Rainer Maria Rilke (1875–1926), ein Lyriker von Weltruf und sein Leben lang auf Wanderschaft, wünschte nach einem Besuch des Burghügels, dort oben, von wo aus er erstmals «Licht und Leben dieser Landschaft empfangen » habe, beerdigt zu werden. Im alten Pfarrhaus auf dem Burghügel befi ndet sich seit 1994 ein Museum, das Persönlichkeiten, die mit Raron Beziehungen unterhielten, die Reverenz erweist; neben Rilke und anderen auch Iris von Roten, der bedeutendsten Vorkämpferin für die Frauenemanzipation, die 1958 das heiss diskutierte Buch «Frauen im Laufgitter», verfasste.